Hinter diesem Gebäude befand sich die Zisterne, in der das von den Dächern herabrinnende Regenwasser gesammelt wurde. Sie stellte bei Belagerungen eine gewisse Autonomie sicher. Die Kapelle rechts, das Juwel des Schlosses, wurde zur gleichen Zeit gebaut wie die Ringmauer, an die sie angrenzt. Der Eckturm dürfte ihr übrigens als Glockenturm gedient haben. Sie besteht aus zwei Jochen: das erste war dem Hof des Bischofs vorbehalten, in dem zweiten mit einem Spitzbogengewölbe stand der geweihte Altar.

Tourbillon blieb nicht lange der Hauptsitz der Bischöfe von Sitten. Knapp ein Jahrhundert nach seiner Fertigstellung zog man ihm die Majoria vor, die 1373 von Bischof Guichard Tavel gekauft worden war. Hingegen spielte es noch mehrere Jahrhunderte lang eine bedeutende militärische Rolle. Mehrmals im Laufe des 14. und bis Anfang des 15. Jahrhunderts wurde das Schloss von den Bewohnern von Sitten besetzt, die sich mit der Unterstützung des örtlichen Adels gegen den Bischof auflehnten und gegen seine weltliche Macht protestierten. Tourbillon war im Mittelpunkt dieser Machtkämpfe und wurde stark in Mitleidenschaft gezogen: Es wurde wiederholt angegriffen und schliesslich in Brand gesteckt und am Anfang des 15. Jahrhunderts abgerissen.

Erst unter Guillaume VI de Rarogne, der von 1437 bis 1451 Bischof und ein aufgeklärter Mäzen war, wurde das Schloss vollständig wiederaufgebaut. Die ursprünglichen Strukturen wurden beibehalten, aber alles wurde nach dem Geschmack der Zeit in eine komfortable Residenz umgestaltet, die der Bischof allerdings nur im Sommer bewohnte. In dieser Form blieb es bis ins 18. Jahrhundert erhalten und vor weiteren Schäden bewahrt, trotz einiger Belagerungen und interner Kämpfe, die im Wallis andauerten.

Am 24. Mai 1788 wurde die Stadt Sitten von einem verheerenden Brand heimgesucht. Das durch einen starken Wind angefachte Feuer breitete sich bis zum Schloss Tourbillon aus, das vollkommen niederbrannte. Zuerst wollte es der Bischof wiederaufbauen lassen, wegen politischer Unruhen kam es jedoch nie dazu. Dank einem im 19. Jahrhundert erwachenden Interesse für das historische Erbe wurden verschiedene Instandsetzungsarbeiten durchgeführt, um den Verfall des Mauerwerks zu verhindern. Tourbillon wurde in der Folge zu einem bevorzugten Ziel für Spaziergänger. In 1907 wurde es als historisches Denkmal klassifiziert. Zurzeit wird die Anlage von der Stiftung „Fondation du Château de Tourbillon“ restauriert und aktiv verschönert.
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Chor der Basilika

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